Segelflugzeug Modell L-13 Blanik: Widersacher der Moderne

Segelflugzeug Modell-Fans, aufgepasst: hier kommt ein Charakterdarsteller im Retro- Design, der sich um das Diktat des Windkanals einen Dreck schert – die L-13 Blanik. Damit ist E-flite ist jetzt ins Premiumsegment der Großsegler vorgestoßen. Das Original wird ja liebevoll Blechnik genannt, weil aus Blech gebaut. Davon ist das Segelflugzeug Modell Blanik von Horizon Hobby/E-flite natürlich weit entfernt ...
Was hier zum Listenpreis von 999 Euro zum Vorschein kommt, ist nahezu unglaublich. Ein wunderschön gebauter GfK-Rumpf, silber lackiert, also nahtlos, dafür hochglänzend. Die Kabinenhaube ist fix und fertig angeschlagen und lässt sich zur Seite wegklappen. Ein Novum dann bei den Flächen: balsabeplanktes Styropor mit üppigen CfKEinlagen. Alle Ruder des Segelflugzeug Modells sind betriebsfertig angeschlagen, nur noch die Ruderhörner sind zu setzen. Am anderen Ende des Rumpfs trotzt ein fertig bespanntes Höhenleitwerk in Rippentechnik, mit üppiger, positiver V-Form ausgestattet! Wie sich das im Kunstflug auswirkt, bleibt abzuwarten. Beim Vorbild geht’s ja aber auch. Bei der Tragflächensteckung gilt es für ein Modell dieser Größe ein Novum zu notieren: Ein Kohlerohr mit 2,1 mm Wandstärke und 23 mm Durchmesser kommt zum Vorschein. Aha: Zoll.

Segelflugzeug Modell Blanik - Schwimmende Schnittstelle

Als weiteres Highlight kommt die Halterung des Hauptrads daher. Sie ist ganz aus Metall, ihre Aufnahme im Rumpf ist fertig eingebaut. So ist der Radeinbau eine Sache von wenigen Minuten. Der Ausbau des Segelflugzeug Modells dauert etwas länger, bei den Tragflächen fällt der Servoeinbau und die damit verbundene Verkabelung an. Die elektrischen Störklappen, gesondert zu erstehen, sollten aber unbedingt eingebaut werden. Das jedoch verursacht jetzt pro Flächenhälfte drei Steckverbindungen. Das wäre bei jedem Auf- und Abrüsten ein Gefummel, deshalb wurde hier auf einen Zentralstecker zurückgegriffen. Fläche anstecken, Sicherungsschraube rein – fertig. Beim Leitwerk des Segelflugzeug Modells wurde anders verfahren, hier haben wir es mit einer schwimmenden elektrischen Schnittstelle zu tun, das lässt sich im Nachhin aber locker immer noch ändern. Da der Winter drohte, musste es aber schnell gehen. Der ganze Bau geht schnell, daran besteht kein Zweifel, weil bauen ist eigentlich nicht, sondern sehr viel mehr montieren. Eine Änderung haben wir dann doch noch durchgeführt, die bombenförmigen Randbogen aus GfK sollen angeklebt werden. Das macht aber eine mehrteilige Flächenschutztasche nötig. Daher wurde hier auf eine lösbare Verbindung gesetzt, das Randbogen-Bömbchen durchbohrt, eine Edelstahl-Senkkopf-Kreuzschlitzschraube eingedreht und hinten zunächst einmal – siehe besagter Zeitdruck – mit Tesa fixiert. Da kommt noch ein Torsionsstift rein. Im Testmodell ist ausschließlich Material von Horizon Hobby verbaut, das passt und funktioniert auf Anhieb. Wer etwas anderes einbauen will, muss unter Umständen ändern – das wollten wir natürlich nicht.

Nicht an einem Wochenende

Folgt man der E-flite-typischen, perfekten Bauanleitung, kann eigentlich nichts schiefgehen. Allerdings ist der Bau des Segelflugmodells an einem Wochenende kaum zu schaffen. Insbesondere dann nicht, wenn so komplex verdrahtet wird, wie am Testmodell geschehen. Das kostet nun mal Zeit. Ein weiteres Novum ist, dass der Rumpf ohne Seitenleitwerk aus der Verpackung herauskommt. Ein Sachzwang, sonst wäre das Paket noch größer geworden. Die Art und Weise, wie das fertig bespannte, in Rippentechnik erstellte SLW dann auf den Rumpf kommt, ist aber sensationell. Zwei Kohlerohre werden in die Dämpfungsfläche gesteckt und dann nach unten in den Rumpf eingeführt und das ganze Leitwerk samt den Kohlerohren mit dem Rumpf verklebt. Nicht verschmieren! Die beiliegenden Instrumentenpilze aus Kunststoff sind schön gemacht, schnell zugeschnitten und auch genauso schnell eingebaut. Da ich aber kein Geistercockpit wollte, habe ich mir bei Fahrenbach eine entsprechende Sitzwanne besorgt und bei Denu eine Pilotenpuppe. Wenigstens eine, im Doppelsitzer des Segelflugzeug Modell Blanik L-13 dürfen aber auch gerne zwei Platz nehmen. Auf diese Insignien des Luxus wollte ich nicht verzichten.

Bleikugeln im Rumpf der Blanik L-13

Die Bauanleitung zeigt auch schön, wie das notwendige Trimmblei in der Rumpfschnauze einzuharzen ist. Um da nicht in eine Sackgasse zu geraten und die Schleppkupplung mit zu verharzen, bin ich wie folgt vorgegangen: Bleikugeln in den an der Wand lehnenden Rumpf eingefüllt, etwas Epoxidharz reingelehrt, immer unter Niveau der Schleppkupplung. Nachdem das ausgehärtet war, wurde der Rest mit zurechtgebogenen Bleiplatten und eingedicktem Harz eingebracht. So bleibt die Schleppkupplung des Segelflugzeug Modells von Blanik gängig. Die zunächst unglaubliche Schwerpunktangabe von 15 bis 20 mm von der Nasenleiste aus gemessen stimmt, und um diesen SP einzuhalten, waren neben den beiden dicken NiCd-Empfängerakkus noch sage und schreibe 2.030 (!) Gramm Blei nötig. Außerdem wurde der SP aufgrund der gegebenen Flächengeometrie in den Angstzustand versetzt, soll heißen: sicherheitshalber etwas weiter nach vorne gelegt, als eigentlich nötig. Das Zusatzblei, mit Doppelklebeband befestigt, kam nach dem ersten Flug aber gleich wieder raus.

Der Erstflug des Segelflugzeug Modells Blanik L-13

Im F-Schlepp und bei bockigstem Wetter, dafür aber bei nicht gerade schlechten Lichtverhältnissen: Das Modell musste in die Luft, der Schwarzwaldwinter stand vor der Tür. Stephan zu Hohenlohes Kamera klickt fortwährend, die Schleppmaschine reißt das zehn Kilo schwere Modell wie nix auf Ausklinkhöhe. Zehn Kilogramm? Bei einem Modell mit 4,2 m Spannweite ist das doch viel zu schwer, höre ich die Thermikfraktion jetzt schon aufschreien. Nein, es ist eher zu leicht! Fürs normale Fliegen ist das Gewicht gerade richtig, will ich durchzugsstarken Kunstflug der vorbildgetreuen Art betreiben, muss ich aufballastieren. Dazu bietet sich zunächst einmal der Ersatz des Kohlerohrs durch einen Stahl an. Aber woher nehmen und nicht stehlen! Überhaupt nicht zöllig kommt dieser Vertreter der vergangenen Kunstflughelden in der Luft daher. Da ist alles (sym)metrisch! Er liegt an den Rudern, dass es eine wahre Freude ist, lässt sich wunderschön langsam machen, bevor der Abriss kommt und setzt von der Linienführung wie auch vom Red- Bull-Design her optische Signale. Trotz der geringen V-Form ist der Kreisflug erstaunlich gut, Seitenrudereinsatz selbstverständlich, entsprechende Querruderdifferenzierung ebenso. Das Testmodell ist strikt nach den Vorgaben der Bauanleitung eingestellt, diese Werte stimmen! Durch den starken Gegenwind benutze ich bei den ersten Landungen ausschließlich die Störklappen, die Landeklappen bleiben auf null. Nach dem dritten oder vierten Schlepp probiere ich auf Sicherheitshöhe deren Wirkung. Brutal! Also das braucht man nur auf äußerst beengten Landefeldern. Die ganze Sache ist beim Testmodell so programmiert, dass bei Betätigung des Drosselknüppels ausschließlich die elektrischen Störklappen fahren, die Landeklappen sind per Schalterklick (Schalter im rechten Knüppel) zuschaltbar. Auch habe ich aufgrund der brutalen Wirkung der Störklappen hier die Landeklappenwege gegenüber der Bauanleitung etwas reduziert.

Flügel, die alles mitmachen

Was kann er, wenn man ihn laufen lässt? Es pfeift, er wird auch ziemlich schnell, doch ist die Fahrt nach dem zweiten Vollkreis wieder raus. Zu leicht! Wer mehr will, muss das Segelflugzeug Modell Blanik L-13 aufballastieren. Loopings kommen nach vorherigem Anstechen schön groß, also fahrtabhängig. Keine Angst, dieser Flügel macht alles mit. Erstaunlich ist auch, dass die positive V-Form des Höhenleitwerks keinerlei negativen Einfluss auf gesteuerte Punktrollen hat. Endlose Messerflüge sind mit einem Segler sowieso nicht möglich, wodurch es auch in einer gesteuerten Vierzeiten-Rolle keine allzu große Rolle spielt, ob das Modell in einem länger gezogenen Messerflug auch wirklich in der Spur bleibt. In einer Vierpunktrolle gibt es keinen länger gezogenen Messerflug. Da müssen die Punkte stimmen.

Fazit

E-flite bringt es mit dem 4,2-m- L-13-Blanik auf den Punkt. Das Segelflugzeug Modell von Blanik ist der Widersacher der Moderne, greift nach dem Zepter im ARF-Großseglerbereich. Aus einem perfekt gemachten Bausatz kommt ein klasse fliegendes Segelflugzeug Modell, das sich vom Rest der Welt so sehr unterscheidet, dass man damit überall auffällt.

TEXT: Ralph Müller - FOTOS: Stephan zu Hohenlohe, Ralph Müller