Alternative Plug and Play?

Piper PA-18 Super Cub von Hangar 9 im Maßstab 1:4

Hangar 9, im Vertrieb von Horizon Hobby, bietet seine Piper PA-18 im Maßstab 1:4 als PNP-Version an. Das steht für Plug and Play. Bei Modellflugzeugen versteht man darunter ein vom Hersteller nahezu flugfertig gebautes Modell. Oft muss nur noch ein Empfänger montiert werden (Plug). Nach dem Laden des Akkus geht es auf das Flugfeld (Play). 

Letzten Tage im November: Wir, Fotograf Tommy und ich, haben die Piper PA-18 Super Cub im Auto. Daneben eine Werkzeugkiste, ein Benzinkanister und ein E-Starter. Der erste Flug des 2,70 Meter spannenden Hochdeckers steht an.

Mit klammen Fingern wird die Maschine von Hangar 9 aufgebaut. Tragflächen mit dem Steckungsrohr an den Rumpf stecken, pro Fläche zwei Servostecker verbinden und zum Schluss die Tragflächenstreben an den Rumpf montieren.

Letzteres geschieht mit kleinen Splinten, diese werden mit Fokkernadeln gesichert. Das sollte man besser nicht auf der Wiese machen, schnell ist eine solche Nadel runter gefallen.

Getankt wurde ein 1:20 Benzin-Gemisch, so wie es die Anleitung für den Evolution 33GX-Benzinmotor in der Einlaufphase vorsieht. Eine letzte Überprüfung der Fernsteuerung, der obligatorische Reichweitentest, dann wurde der Motor gestartet.

Die Anleitung des 33-ccm- Benzinmotors hat schon darauf hingewiesen: Solange das Triebwerk nicht eingelaufen ist, wird es von Hand nicht anspringen. Folglich wird der E-Starter verwendet. Zunächst ein paar Umdrehungen mit geschlossener Chokeklappe und ausgeschalteter Zündung, am Propeller gedreht, dann die Chokeklappe geöffnet, Zündung eingeschaltet und der Starter betätigt.

Die Piper PA-18 überrascht

Nach wenigen Umdrehungen läuft das Triebwerk, die erste Tankfüllung ist bereits im heimischen Garten durchgelaufen. So konnte es dann auf die Startbahn gehen, was soll schon passieren, Piper ist Piper!

Keine 30 m benötigte die PA-18 zum Abheben. Ich gebe zu, dies ist nicht meine erste Piper, auch nicht die erste in dieser Größe. Trotzdem konnte mich das Hangar 9 Modell noch überraschen. Die Flugeigenschaften dieser Maschine erinnern eher an einen Parkflyer als an ein Scalemodell im Maßstab 1:4.

Das Modell kann nicht nur sehr langsam bewegt werden, es reagiert ausgesprochen gut auf die Ruder und kann dementsprechend sehr eng gekurvt werden.

Der Strömungsabriss kommt sehr spät, wenn das Modell jedoch zu langsam ist, kippt es über eine Fläche. Ganz anders, wenn die großen Landeklappen in Startstellung gebracht werden: Die Piper kann nun noch etwas langsamer fliegen, beim Strömungsabriss sackt sie einfach durch.

Die Super Cub springt nicht

Dieses Durchsacken wird noch extremer, wenn die Landeklappen in Landestellung sind. In dieser Stellung sollte man nicht unbedingt Vollgas geben, denn das Piper-Modell bäumt sich trotz zugemischtem Tiefenruder extrem auf. Besser ist es, zunächst die Landeklappen einzufahren.

Perfekt wirken die Klappen bei der Landung. Selbst bei steilen Abstiegen aus größerer Höhe baut die Maschine keine Geschwindigkeit auf und kann so direkt auf die Piste gesetzt werden.

Eine der größten Überraschungen für mich war, dass die Piper keinerlei Tendenz zum Springen zeigt. Mit ein wenig Schleppgas setzt sie einfach auf der Landebahn auf und rollt aus.

Bei der anschließenden Demontage musste dem sehr ölhaltigen Benzingemisch Tribut gezollt werden. Vom Fahrwerk bis zum Sporn war der Rumpf auf der Unterseite mit schwarzer Schmiere bedeckt.

Eine Viertel Flasche Glasreiniger musste dran glauben, eh das Modell wieder ins Auto durfte. Erstflug geglückt, die PA-18 Super Cub von Hangar 9 ist eine der besten Pipers, die ich bisher fliegen durfte.

Eine Woche zuvor: Der Aufbau

Eines vorweg: Mit der Bezeichnung PNP lehnt sich der Hersteller weit aus dem Fenster.

Jeder, der schon einmal ein größeres Modell in Holzbauweise mit Benziner fertiggestellt hat, weiß, wie viel Arbeit in einem solchen Modell steckt.

Und sicherlich deshalb bietet Horizon Hobby ein solches Modell überhaupt in dieser Version an, denn nicht jeder Modellflieger verfügt über eine ausreichend große Modellbauwerkstatt. Nicht jeder Modellflieger hat auch entsprechend viel Zeit und Lust, ein solches Modell zusammenzubauen.

Genau unter dieser Prämisse schauen wir uns die PNPVersion an. Ist die Piper PA-18 ohne Werkstatt und ohne spezielles Fachwissen aufzubauen und in die Luft zu bekommen?

Die Ruder sind neutral

Zuerst: die Tragflächen. Sie sind fertig bespannt, mit angeschlagenen Rudern, montierten Servos einschließlich Anlenkungen.

An der Wurzelrippe kommen zwei Servostecker aus der Fläche, beschriftet mit „Querruder“ und „Landeklappe“. Der probehalber angesteckte Servotester zeigt, dass die Ruder absolut neutral stehen. Perfekt.

Einen Sonderpunkt gibt es für die Anlenkung der Querruder. Diese sind augenscheinlich wie das Original von oben und unten angelenkt, erst nach genauerem Hinsehen stellt man fest, dass die obere Anlenkung eine Attrappe ist. Mit vier Schrauben werden die Flächenstreben angeschraubt, danach können die Tragflächen weggelegt werden.

Der Rumpf ist ohne Motorhaube und ohne Triebwerk, ohne Fahrwerk, aber auch ohne Höhenleitwerk im Karton verstaut.

Das originalgetreu aufgebaute Fahrwerk mit verkleideter Gummidämpfung ist in wenigen Augenblicken an den Rumpf geschraubt. Nicht nur die Federung, auch die Räder sind bereits moniert.

Genauso schnell ist der Hecksporn mit dem Heckrad angeschraubt. Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir lediglich Inbus-Schlüssel, Schraubenzieher und eine kleine Zange verwendet.

Der Rumpf der PA-18 ist nicht nur fertiggebaut und anschließend mit Bügelfolie bespannt, er ist im Bereich des Cockpits auch von innen lackiert. Der Zugang zum Cockpit erfolgt wie beim Original über zwei oben bzw. unten angeschlagene Klappen.

Modell mit doppeltem Boden

Die gesamte Technik der Piper wird in einer Art doppelten Boden verstaut. Die Zugangsluken zum RC-Raum sind mit lackierten Brettchen verschlossen, diese werden mit einer Schraube verriegelt. Diese Schrauben sind gleichzeitig die Steuerknüppelattrappen.

Die Servos für Höhenruder und Seitenruder sind hinter dem Cockpit in den Rumpf gebaut. Im Übrigen verwendet Hangar 9 im gesamten Modell acht Spektrum A6180-Digitalservos mit Metallgetriebe.

Die sehr gut und ausführlich geschriebene Anleitung zeigt als nächsten Bauschritt den Einbau des Empfängers. Wir haben in unserer Piper einen Spektrum AR12110 eingesetzt. Dieser ist bereits für eine doppelte Stromversorgung ausgelegt.

Alle Servokabel, auch die Verlängerungen, die von der Tragflächen-Steckung kommen, sind bis unter die hintere Bodenklappe geführt. Jedes Servokabel ist beschriftet. Trotz der vielen Leitungen ist so die Installation des Empfängers sehr einfach.

Einer der ganz wenigen Kritikpunkte ist die Montage des Höhenleitwerks. Denn kamen wir bisher mit einfachsten Werkzeugen aus, hier wird es aber knifflig. Zwar ist eine Höhenruderhälfte bereits betriebsfertig mit dem Leitwerk verbunden, ein Fehler bei den folgenden Bauschritten kann die Flugeigenschaften entscheidend negativ beeinflussen.

Zunächst muss die Maschine auf der Werkbank einschließlich Tragflächen aufgebaut werden, danach wird das Leitwerk eingeschoben und nach alter Väter Sitte mittels Fäden eingemessen. Die korrekte Lage des Leitwerks wird angezeichnet, anschließend muss die Bespannfolie im Bereich Verklebung mit einem Lötkolben entfernt werden und das Leitwerk mit Epoxidharz eingeklebt werden. Das zweite Höhenruder wird mit Stiftscharnieren eingeklebt.

Einfache Lösung

Es wäre wünschenswert, wenn dieser Punkt vom Hersteller einfacher gestaltet wäre. Eine perfekte Lösung wäre sicherlich ein schraubbares Höhenleitwerk.

Das Anklipsen der Anlenkungen für die Höhenruder und die Montage der Leitwerkverstrebungen gehen dann wieder leicht von der Hand.

Nun die Montage des Antriebes. Hier ist die Vorfertigung des Modells weiter, als es in der Anleitung beschrieben ist. Bei unserem Testmuster war die Zündung und der Tank bereits fertig installiert, die Kabel und Leitungen sauber verlegt und mit Schlaufen am Motorspant befestigt.

Somit muss lediglich der Motor mit vier Schrauben angeschraubt werden, die Benzinschläuche mit dem Vergaser verbunden, und der Zündkerzenstecker aufgesteckt werden. Der Schalldämpfer wird erst mit der Montage der Motorhaube installiert.

Das hört sich einfach an, ist aber tatsächlich eher ein 3D-Puzzle. Zunächst einmal wird die Haube ohne Schalldämpfer über den Motor geschoben, der Propeller samt Spinner montiert und die Haube an diesem ausgerichtet. Die Montagelöcher sind bereits gebohrt und so kann die Haube mit vier Schrauben befestigt werden. Im nächsten Schritt wird die Haube noch einmal abgenommen, und der Schalldämpfer in die Haube gelegt.

Dämpfer in der Haube

Die Krümmer-Dichtung wird mit hitzefestem Silicon auf den Auslass des Motors geklebt, dann wird die Haube samt Schalldämpfer wieder über den Motor geschoben. Zwei 5-mm-Löcher in der Haube erlauben nun das Anschrauben des Schalldämpfers an den Motor.

Nicht so einfach, wie es klingt, denn mal fallen die Schrauben nach unten raus, mal wird die Krümmerdichtung verschoben. Das kann schon ein wenig länger dauern.

Das Ergebnis überzeugt aber: aus der Motorhaube kommen im unteren Bereich lediglich zwei Auspuffrohre raus. Nach diesen Bauschritten ist die Piper tatsächlich flugbereit!

Um den vorgegebenen Schwerpunkt zu erreichen, mussten 120 g Klebegewicht in die Motorhaube geklebt werden. Die in der Anleitung angegeben Ruderausschläge wurden komplett übernommen.

Etwas problematisch war die Aussage in der Anleitung, dass der eingesetzte Motor Evolution 33GX in der Einlaufphase nicht von Hand anspringt. Dies hat auch unser Autor Philipp Amann, der denselben Antrieb in seiner Beaver fliegt, bestätigt.

Von Philipp kam allerdings auch der Tipp, sich den ALIGN Super-Starter der Firma Freakware anzuschauen. Dieser Starter ist ursprünglich für Helis entwickelt worden, es gibt ihn inzwischen auch als Version für Flächenflieger. Bestückt wird der Starter mit einem 3S Lipo mit 1900 mAh, das reicht für ca. 500 Startvorgänge, der getriebeuntersetzte Motor hat einen Freilauf und soll Motoren bis 50 ccm starten. Mit diesem Gerät springt der Evolution perfekt an, schon jetzt will ich diesen Starter nicht mehr missen.

Fazit

Zu der Frage: „Gebraucht kaufen oder vom Bauservice aufbauen lassen?“ kommt nun eine weitere Alternative: „Plug and Play“. Grundsätzlich ist es eine tolle Idee, ein solches Modell in einer fix und fertigen Variante anzubieten.

Tatsächlich hat Hangar 9 dem zukünftigen Piloten der PA-18 Super Cub PNP jede Menge Arbeit abgenommen. Die verbleibenden Tätigkeiten, wie die Montage von Fahrwerk und Streben benötigen keine voll ausgestattete Modellbauwerkstatt, selbst der Einbau des Motors wird vorbildlich beschrieben und setzt wenig handwerkliches Geschick voraus.

Die Zeitersparnis beim Aufbau dieses Modells ist enorm, das Ergebnis ist eine nahezu wettbewerbstaugliche Scalemaschine. Bei vielen Punkten muss man anerkennen: Das hätte man selbst nicht besser machen können.

Einzig die Montage des Höhenleitwerks ist ein Kritikpunkt. Hier sollte der zukünftige Eigner, so er wenig Bauerfahrung hat, auf die Hilfe eines erfahrenen Modellbauers zurückgreifen.

Zum Schluss zeigt eine einfache Rechnung, die die Listenpreise der verbauten Komponenten einschließlich des ARF-Modelles addiert, dass sich der Erwerb der Plug and Play-Version auch für diejenigen lohnt, die das Modell sowieso mit der von Horizon Hobby empfohlenen Ausstattung bauen wollen.

Die Summe der einzelnen Komponenten entspricht ziemlich genau dem Preis der PNP-Variante. In diesem Falle ist der qualitativ hochwertige Zusammenbau durch den Hersteller ein kostenfreies Gimmick.

Ausgabe: 
Artikel aus FlugModell Ausgabe 03/2015. Jetzt abonnieren!
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