Doppeldecker E-Flite Beast 60e ARF: Ein Biest am Firmament

Tatort Genderkingen, Horizon Airmeet. Quique Somenzini präsentiert mit weltmeisterlichem Können seine Neukonstruktion im 60er-Layout, den gar nicht biestigen Doppeldecker E-Flite Beast 60e ARF. Schon allein der Bausatz ist vom Allerfeinsten, Premiumsegment, E-flite eben. Anlass für einen Check.
Leichteste Bauweise, gepaart mit perfekten Passungen und dem zwischenzeitlich ja oft genug hochgelobten Zubehör. Als weiterer Spaßverbreiter bei der E-Flite Beast 60e ARF taucht eine Bauanleitung mit extrem hohem Unterhaltungswert auf. Auch hier wird jeder einzelne Bauschritt mit Bild und Text haarklein erklärt. Bauanleitungen von Horizon Hobby haben schon längst Kultstatus erreicht. Konstruktionen von QQ aber auch, das ist beim 60er-Beast nicht anders. So sind beim Rumpf der E-Flite Beast 60e ARF beispielsweise die nötigen Durchbrüche für die Servokabel, die Ruderantreiber sitzen hinten im Rumpf, in den Spanten bereits drin. Besagte Kabel laufen also innen an den Rumpfseiten entlang – eine saubere Sache. Indes: Es braucht kleine Hände. Bei so viel Vorbereitung und Fürsorge wartet ein ungetrübtes Bauvergnügen. Stur der Bauanleitung folgend.

Bau des Doppeldeckers E-Flite Beast 60e ARF

Verbaut ist nur das von E-Flite vorgeschlagene Equipment, das übrigens so weit geht, dass die benötigten Verlängerungskabel als Set dazu geordert werden können. Nein, der Bau eines Doppeldeckers dauert nicht doppelt so lang wie jener eines Eindeckers, aber eben länger. Gilt es doch, statt nur zwei, vier Flächenservos einzubauen, vier Ruderanlenkungen herzustellen – die Bauanleitung nennt hier sogar die richtigen Gestängelängen – und demzufolge auch vier Verkabelungen herzustellen. Besagtem Kabelset ist es zu verdanken, es enthebt uns der sonst nötigen Lötorgie, dass dieser Bauposten zum easy going wird, die Kabellängen passen! Nicht gepasst hat mir auch an diesem Bausatz das Heckfahrwerk, es wurde gegen eines aus dem F3A-Bereich ausgetauscht, die einzige Änderung übrigens. Oder doch nicht? Im Kit liegen tolle GFK-Servohebel bei, die sollen auf die originalen aufgeschraubt werden, um die für 3D nötigen Ausschläge zu sorgen. Am Testmodell sind sie nicht verbaut, da sich meine 3D-Gelüste in engsten Grenzen halten.

Grenzenlose Bauwut

Keinesfalls in Grenzen hält sich meine Bauwut, liegt ein solches Projekt auf der Werkbank und liegt alles nötige Material wie Motor und Regler, vor allem aber die Servos, bereit, werden die Nächte lang, aber auch amüsant. Und zwar deshalb, weil der Bau eines E-flite-Modells die ungetrübte Freude ist. Die Anleitung nennt zum Beispiel auch solche Kleinigkeiten wie das geringfügige Vergrößern der Servoschächte bei Verwendung der Spektrum A6260-Servos. Genau, die sitzen bei unserem E-Flite Beast 60e ARF im Rumpfheck. Genauso gut gemacht sind die Flächenstreben samt ihrer Arretierung, fertig gebogene Drähte, von vorne in die Streben einzustecken. Eine leichte Presspassung, gerade richtig. Und wie funktioniert das Einsetzen der Streben? Kinderleicht und ohne jedes Gefummel!

Sind die vier Flächenhälften über Kohlerohr am Rumpf angesteckt, werden beide Streben von außen her in ihre Sockel geschoben und die Drähte eingeschoben, fertig. Genau so simpel wie genial. Ein weiteres Kompliment gibt es für die durchdachte Weise des Controllereinbaus. Der sitzt auf seinem vorbereiteten Platz an der rechten Rumpfseite der E-Flite Beast 60e ARF, liegt somit voll im Kühlluftstrom. Obendrein verfügt der verwendete Controller über ein Schalterkabelwas auch Sinn macht, weil sonst bereits beim Verbinden der Flugakku-Kabel die Antriebseinheit scharfgeschaltet ist.

Mit dem vorgeschlagenen 6-Zeller mit 4400 mAh Kapazität lässt sich der angegebene Schwerpunkt von 115 mm bis 125 mm leicht einstellen. Das Akkubrett, ein Rumpfzwischenboden, stellt genügend Platz bereit. Beim Prüfling wurde die goldene Mitte gewählt, für den Erstflug sicher kein Fehler.

Die Eruption der Emotion

Laut E-flite soll das Beast 60e knapp über 4 kg wiegen, das Testmodell unterschreitet diesen Wert, bringt es nur auf 3920 Gramm. Klasse, endlich mal nicht geschummelt, was das tatsächliche Gewicht angeht. Daran dürfen sich die meisten Mitbewerber künftig gerne orientieren. Bevor der gedrungene und wie zum Sprung bereit wirkende Somenzini Doppeldecker aber erstmalig den Erdboden verlassen darf, treten Stromzange und Drehzahlmesser in Aktion. Und da verschlägt es mir fast den Atem: 90 A sind ein gewaltiges Wort. 8.200 U/min aber auch. Zugegeben, die angegebene APC-E mit 17 x 7 Zoll war nirgends zu bekommen, weswegen eine 17 x 8, leicht gekürzt, montiert ist. Aber was heißt schon 90 A Standstrom, wann fliege ich mit einem derart bepowerten Modell denn Vollgas? Nur, wenn es gebraucht wird, also in Kraftfiguren senkrecht nach oben.

Der Gasknüppel meiner DX 18 QQ bewegt sich zügig und gleichmäßig Richtung Vollgas, bevor diese Vollpowerstellung erreicht ist, hat die E-Flite Beast 60e ARF die Piste längst verlassen. Geschätzte Startstrecke, keine 10 Meter. Halbgas. Das reicht für den kraftvollen Geradeausflug und horizontale Rollfiguren locker. Und noch für viel mehr, wird zum Beispiel im sanften Bogen senkrecht hochgezogen, geschieht das mit dieser Knüppelstellung. Hängt der Doppeldecker senkrecht in der Luft, wird langsam mehr Gas gegeben. Bei Vollgas wird die Steigstrecke endlos. Endlospower eben. Die 90 Ampere winken vergnügt zu mir herunter. Die Eruption der Emotion.

Ein Mischer für die E-Flite Beast muss gesetzt werden

Das Modell begeistert mich immer mehr, insbesondere auch deshalb, weil es ausgezeichnete Langsamflug-Manieren hat. Die Gasknüppelstellung: Viertelgas. Auch dieser Doppeldecker fliegt, richtig eingestellt, Rollfiguren auf der Achse, wenngleich das immer so aussieht, als wenn er leicht „tonnen“ würde. Tut er nicht. Das ist rein optisch. Wirklich keine Unarten? Doch, eine, aber die ist ob der sonst gebotenen Flugeigenschaften leicht zu verschmerzen, und in Zeiten der Computeranlagen auch leicht auszumerzen. Es braucht einen Mischer. Was mich in Genderkingen so begeistert hat, waren unter anderem Quiques Seitenruderkurven, unmittelbar nach dem Abheben. Das habe ich gleich auch probiert, bei diesem Manöver taucht mein E-Flite Beast 60e ARF aber heftig auf tief weg. Was nichts anderes zur Folge hat, dass dieses Verhalten auch in den Punktrollen merkbar ist. Also: Der Mischer Seite auf hoch muss noch erflogen werden, so lang, bis pfeilgerade Messerflüge dabei herauskommen. Das Hereinkommen zur Landung ist ohne jede Überraschung. Extrem langsam – mit den Einstellwerten für Low Rate – setzt sich unser überhaupt nicht biestiges Beast auf die Graspiste.

Fazit

Die E-Flite Beast 60e ARF ist ein Doppeldecker zum Niederknien, mehr Skulptur denn ARF-Modell. E-flite hat es geschafft, erneut einen Premiumbausatz mit allerfeinsten Zutaten zu kreieren, der mit dem hauseigenen Antrieb begeisternde Leistung bietet. Der Ferrari unter den Doppeldeckern? Kaum zu glauben, was QQ da für eine Konstruktion mit genialen Detaillösungen gelungen ist. Kein Schmusekater, aber alles andere als ein unberechenbares Beast! Und das verdient Respekt.

TEXT UND FOTOS: Ralph Müller - FLUGFOTOS: Stephan zu Hohenlohe

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